Projektbesichtigung und Reiseimpressionen in Indien

Für ÖkoPLUS kommen nur die besten Projekte mit dem größten Mehrwert infrage, weshalb wir für unsere Projektauswahl ganz genau hinschauen. Da sich vor Ort einzigartige Eindrücke und Einblicke in die organisatorischen Abläufe erlangen lassen, reiste Mandy Trachsel (Produktentwicklerin Erneuerbare Energien & Klimaschutz) von Bischoff & Ditze Energy zusammen mit dem Fotografen Thien Ditze Ende April 2019 nach Indien. Begleitet und unterstützt wurden sie tatkräftig vom Projektpartner vor Ort. In der Woche „vor Ostern“ reisten Sie vom subtropischen Mumbai, durch die Wüste Telanganas bis hoch ins indische Himalaya Gebirge – quasi einmal quer durchs Land.

  • Von heiligen Kühen und scharfem Essen
  • Mumbai – erste Station der Reise
  • Telangana - Windkraftprojekt der Mytrah Group
  • Andhra Pradesh - Solarpark Ghani
  • Chandigarh – ein kurze Reise per Flugzeug in den Norden
  • Manali – Roadtrip ins Himalaja Gebirge zum Wasserkraftwerk Malana

Von heiligen Kühen und scharfem Essen

Indien gehört zu den kontrastreichsten und vielfältigsten Ländern weltweit. Exotische Gerüche, leuchtende Farben und eine unglaubliche Geräuschkulisse wirken konstant auf die Sinne ein. Indien ist ein Land der Extreme; mit rund 1,3 Milliarden Menschen und einem jährlichen Bevölkerungszuwachs von knapp 17 Millionen Menschen (2018) wird Indien bald das bevölkerungsreichste Land der Erde sein. Der immer größer werdenden Mittelschicht stehen extreme Armut gegenüber. Die Umweltverschmutzung nimmt ungeahnte Ausmaße an. Indien ist mit knapp 3.287.259 km² Fläche ca. 10mal so groß wie Deutschland.

Doch Indien ist auch die größte Demokratie der Welt und bekannt für die Softwareentwicklung. Über 90 Länder kaufen ihre Software in Indien und machen das Land zu einem der größten Softwareentwickler weltweit. Die indische Bahn hat über eine Million Angestellte und ist somit der größte Arbeitgeber der Welt. Und ganz nebenbei, auch die Zahl Null in unserem mathematischen System wurde von einem indischen Mathematiker erfunden.

Mumbai – erste Station der Reise

Mumbai, das einstige Bombay, ist die wichtigste Hafenstadt des Subkontinentes und somit das wirtschaftliche Zentrum Indiens. Mit knapp dreizehn Millionen Einwohnern ist Mumbai eine der bevölkerungsreichsten Städte der Welt und diesen Fakt akzeptiere ich ohne jeglichen Zweifel. Denn Mumbai ist vor allem voll. Es ist unglaublich schwer einen Überblick zu bewahren, was jedoch nicht schlimm ist, denn man entdeckt an jeder Straßenecke ohnehin etwas Neues. Besonders faszinierend ist der, für Außenstehende, absolut chaotische und unkoordinierte Verkehr. Es grenzt an ein Wunder, dass dies nicht tagtäglich in Massenunglücken endet. Die Hupe wird unersetzlich um sich bei riskanten Überholmanövern bemerkbar zu machen. Ich muss sagen, wie diese Strategie aufgeht ist mir heute immer noch ein Rätsel, doch Unfälle habe ich während meiner gesamten Reise nicht gesehen. Mumbai hat eine sehr schöne Küste und einen Sandstrand. Leider sieht man an eben dieser Küste die unglaubliche Verschmutzung des Wassers durch Plastikmüll, welcher in Massen angespült wird. Allgemein kann ich sagen, dass Indien unglaublich „zugemüllt“ ist, was letztendlich auch an der Masse der Menschen aber auch an der fehlenden Abfallverwertung liegt. Allerdings ist das Land nicht untätig; in allem Restaurants, Cafés und Hotels in denen wir uns aufgehalten haben, wurde beispielsweise kein Plastikgeschirr
oder Strohhalme verwendet. Stattdessen wurden Alternativen aus Papier oder Bambus genutzt.

Von der Küste, wieder ins Zentrum fahren wir zur berühmtberüchtigten Dadar-Station, einer der verkehrsreichsten Bahnhöfe Indiens. Die Schienen verlaufen direkt über einen Markt, welcher nach Anbruch der Dunkelheit unzähligen Händlern eine Verkaufsfläche bietet. Riesige Menschenmassen halten sich hier auf und an jeder Ecke wird laut verhandelt. Wir wollen nicht verhandeln, sondern eigentlich nur essen. Nach einer gefühlten Ewigkeit finden wir endlich wonach wir gesucht haben. Versteckt in der Menschenmasse finden wir ein lokales Restaurant, welches uns verköstigt. Daheim im Hotel heißt es erstmal wieder packen, denn morgen geht es weiter nach Hyderabad.

Telangana - Windkraftprojekt der Mytrah Group

Soziale Projekte durch Windkraft: Schule, Trinkwasser, Viezucht und … Chilis!
Hyderabad im Bundesstaat Telangana gilt als IT-Zentrum Indiens. Geprägt von sengender Hitze und scharfen Essen gerät man hier leicht ins Schwitzen. Ampeln sieht man hier eher selten, somit muss man eine gewisse Risikofreudigkeit an den Tag legen um hier die Straße passieren zu können. Gesagt, getan und wir haben überlebt. Ist das die Anpassungsfähigkeit der Menschen, von denen alle sprechen?

Von Hyderabad aus reisten wir am Folgetag knapp zwei Stunden raus aus der Stadt und aufs Land zu unserem ersten Projekt. Das Windkraftprojekt der Mytrah Group umfasst eine riesige Fläche mit 67 Windraftanlagen. Das freie Wüstenland bietet die perfekten geografischen Gegebenheiten für eine effiziente Produktion.

Wir besuchen zunächst die Schule des Projektbetreibers, welche in der ländlichen, ärmlichen Region den Kindern die Möglichkeit auf eine fundierte Schulbildung gibt. Vor Ort wurden wir, trotz der bereits begonnen Schulferien, gastfreundlich von Schülern und Lehrern empfangen. Wir wurden durch das Schulareal geführt und durften einen Einblick in den Alltag der Schüler erhalten. Stolz präsentierten uns die Kinder Ihre Medaillen der letzten „Mini-Olympiade“. Dieses Sportevent wurde vom Projektbetreiber für die Kinder der Region organisiert. So konnten sich die Kinder in sportlichen Wettkämpfen zu messen. Das Event bot nicht nur sportliches Kräftemessen, sondern auch eine Plattform welches das gesamte Dorf nutzen konnte um zusammen zu kommen. Der Projektbetreiber sorgte zudem fürs leibliche Wohl der Anwesenden. Ebenso stolz wurde uns das Foto einer ehemaligen Schülerin gezeigt, die es mit ihren schulischen Leistungen geschafft hat einen Studienplatz zu ergattern. Das freut mich besonders zu hören. Die Schule macht einen recht spartanischen Eindruck und so auch die Sanitäranlagen, welche ohne fließend Wasser in einer provisorischen Hütte errichtet sind. Schön ist was anderes, aber immerhin kann man die Hütten von Innen verriegeln und somit Privatsphäre und Sicherheit gewährleisten. Wir unterhalten uns noch ein wenig mit dem Sportlehrer und fahren weiter zur Trinkwasseranlage im nahegelegenen Dorf.

Sauberes Trinkwasser ist eines der größten Probleme weltweit, so auch hier vor Ort. Daher finanzierte der Projektbetreiber eine Trinkwasserfilteranlage, welche die Dorfbewohner rund um die Uhr mit frischem und vor allem sauberen Trinkwasser versorgt. Der „Bürgermeister“ des Dorfes hat uns begrüßt und uns stolz die Anlage gezeigt. Er ist sehr erleichtert und dankbar das sein Dorf nun endlich sauberes Trinkwasser zur Verfügung hat. Um mich von der Qualität und Funktionalität höchstpersönlich zu überzeugen habe ich mir direkt etwas Wasser „abgezwackt“. Und ich muss sagen, ich bin gesund und quicklebendig. Das Testergebnis fiel somit sehr gut aus. Anschließend fahren wir weiter zu einer nahegelegenen Farm.

Kühe spielen ja bekanntlich eine sehr zentrale Rolle in Indien, somit musste ich als tierliebender Mensch meine Begeisterung nicht verstecken als wir zum ersten Mal „heilige“ Kühe gesehen haben. Bei knapp 40 Grad und strahlendem Sonnenschein war den Tieren die Gemächlichkeit sichtlich anzusehen. Als Teil des Mytrah Entrepreneurship Programms, wird lokalen Landwirten wichtiges Know-how vermittelt, um lukrative Landwirtschaft und Viehzucht zu betreiben um somit eine nachhaltige Einkommensquelle zu kreieren. Mir gefällt die Idee. Ich bin allgemein überzeugt von dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“. Im Rahmen des Entrepreneurship Programms besichtigen wir anschließend eine Chili-Farm. Die empfindlichen Pflanzen brauchen viel Schatten und Pflege. Eine spezielle Konstruktion welches an ein Sonnensegel erinnert soll die Pflanzen vor der Sonne schützen, jedoch gleichzeitig wasserdurchlässig sein. Chilis spielen in der indischen Cuisine eine wichtige Rolle und sind daher von stabiler Nachfrage. Der Landwirt zeigt uns seine Farm und die verschiedenen Pflanzen, dessen Setzlinge er selber zieht. Ich persönlich schätze dieses Programm, da es nachhaltige Arbeitsplätze schafft, Wissen generiert und transferiert.

Nun geht es ans Eingemachte. Wir fahren zum Windpark oder eher gesagt zum Transformator wo auch die Verwaltung liegt. Nach einer kurzen Sicherheitsbelehrung geht es samt Schutzbekleidung in die Schaltzentrale. Von dort aus werden die Anlagen überwacht und ins Umspannwerk geschaltet. Uns wird eine Karte gezeigt, welche die Übersicht über den Park zeigt. Direkt vor dem Verwaltungsgelände, stehen bereits einige Windräder. Finde ich sehr cool, denn ich meine, wie oft kommt man schon so nah an solche Anlagen heran. Am Fuße des Windrades wird die Funktionsweise der Anlagen erläutert. Wir sind fertig für heute (im wahrsten Sinne des Wortes) und treten die Heimreise an.

Andhra Pradesh - Solarpark Ghani

Am nächsten Tag geht es in aller Herrgottsfrühe drei Stunden wieder raus aufs Land zum Solarpark Ghani im Bundeststaat Andhra Pradesh. Ab in die Wüste wo wir auf 46 Grad und strahlenden Sonnenschein treffen. Um mein Make-up brauchte ich mir keine Sorgen zu machen, denn das hat bereits an der Eingangspforte Tschau gesagt und ist wie meine Hoffnung auf etwas Schatten dahingeflossen. Gut, so what. Mit natürlicher Schönheit und viel Motivation geht es auf die zweit größte Solarfarm der Welt. Mit 1.000 MW installierter Kapazität und Millionen von Solarpanels, ist das Areal gigantisch. Ich ärgere mich ein wenig, dass wir keine Luftaufnahmen machen können, denn das muss ein sehr beeindruckendes Bild sein.

Wir betreten ein kleines „Dorf“ wo unter anderem die Verwaltung des Projektes, ein Trainingscenter, eine Kantine sowie eine Vielzahl von Wohncontainern mit eigenem Bad (für Arbeiter und deren Familien) errichtet wurden. Sogar ein Kino steht zur Verfügung. Natürlich habe ich mich auf dem Weg zur Sanitäranlage ausführlich umgesehen und kann bestätigen, alles sieht sehr sauber aus und entspricht einem guten Standard (was gerade in dieser recht armen Region absolut keine Selbstverständlichkeit ist).

Eine weitere Besonderheit dieses Projektes ist die mobile Krankenstation. Genauer gesagt ein Kranken-Truck. Denn das nächste Krankenhaus ist rund 2,5 Stunden entfernt (mit dem Auto wohlgemerkt). Dieser Truck bietet eine kostenfreie medizinische Grundversorgung für die umliegende Region. Der Innenraum des Trucks erinnert tatsächlich an eine kleine Arztpraxis und bietet allerlei Gerätschaften um die wichtigsten Untersuchungen zur Behandlung oder weiteren Diagnostiken durchführen zu können. Ergänzt wird dieser Truck von der eigenen Krankenstation des Projektes vor Ort. In dieser Region gibt es viele giftige Schlangen und Skorpione, daher ist eine schnelle und korrekte Reaktion auf Bisse und Stiche überlebenswichtig. Wir wechseln ein paar Worte mit den Verantwortlichen und realisieren das Krankheiten und Unfälle ganze Existenzen zerstören können. Eine Krankenversicherung wie es hierzulande Standard ist, gibt es in Indien natürlich nicht. Daher können selbst „Kleinigkeiten“ lebensgefährlich teuer enden. Für schwerwiegendere Diagnosen verfügt das Projekt über einen eigenen Krankenwagen, welcher den Patienten auf schnellstem Wege ins nächste Krankenhaus bringt. Wenn man bedenkt, dass hier die wenigsten Leute überhaupt Zugang zu einem Auto besitzen, ist dies eine himmelweite Verbesserung.

In dem hauseigenen Trainingszentrum werden Einwohner der Region in den verschiedensten Berufen ausgebildet. Bis Dato wurden über 800 Mitarbeiter hier ausgebildet und ein Großteil wurde in ein Anstellungsverhältnis übernommen. Um den Mitarbeitern und Trainees eine Möglichkeit zu bieten das Projekt sicher zu erreichen, gibt es einen Transferservice der morgens alle „einsammelt“ und abends daheim wieder absetzt. Fürs leibliche Wohl ist zudem auch gesorgt, denn die Mitarbeiter können in der Kantine kostenfrei zu Mittag essen.

Auf einer Solar Farm dieser Größe zählt jede helfende Hand, so wird theoretischer mit praktischem Unterricht verbunden. Das erlernte kann so direkt umgesetzt werden und das Wissen festigt sich. So war es möglich den Solarpark in knapp 5,5 Monaten fertig zu stellen und in Betrieb zu nehmen. Die Idee finde ich gut. Weniger gut finde ich den Fakt, dass es unter den Solaranlagen scheinbar so viele Kobras gibt (die mögen nämlich Schatten) das ein Schlangenfänger vor Ort tatsächlich von Nöten ist. Beruhigend ist dennoch zu hören das es bis jetzt keine Unfälle dieser Art hier auf dem Gelände gab. Allgemein wird hier sehr großen Wert auf Sicherheit gelegt. Die Unfallquote auf dem Gelände des Projektes liegt bei null Prozent. Ich hoffe, dass dies auch so bleibt und spaziere Richtung Guesthouse wo es erstmal Mittagessen gibt. Sehr lecker, sehr scharf. Wenn einen die Temperaturen nicht zum Schwitzen bringen, wird es die lokale Cousine ganz sicher.

Nach dem Mittagsessen geht es mit dem Auto zu den Solaranlagen. Das Areal ist gigantisch. Wir fahren zu einem zentralen Punkt und begutachten die Anlagen. Am hinteren Ende der Farm befindet sich eine Mango Plantage, welche die Arbeiter vor Ort versorgt. Mangobäume sieht man in Deutschland ja bekanntlich eher selten. Mir kommt es vor als würde man in einer Oase stehen. Man darf ja nicht vergessen, dass man immer noch in einer Wüste ist. Auf dem Weg zurück zum Auto noch kurz über winzige Bananen Bäume gestolpert (die sind hier neu und keine Sorge immer noch unbeschadet) und weiter geht’s.

Wir fahren in ein kleines Dorf in der Nähe. Dort befinden sich zwei Schulen, welche von dem Projektbetreiber unterstützt werden. Die erste, eine Grundschule, befindet sich zentral gelegen direkt im Dorf und ist von einer bunt bemalten Mauer umschlossen. Die Kinder in diesem Staat haben bereits Sommerferien, daher ist die Schule gerade geschlossen. Von außen macht sie aber einen sehr guten Eindruck, neu und sauber. Natürlich dauert es nicht lange bis wir von den Dorfbewohnern entdeckt werden und deren Interesse wecken. Kurze Zeit später stehen wir in einer Menschentraube. Ich habe das Gefühl, dass jedes Kind im Umkreis hierher gepilgert ist um mindestens ein Selfie mit mir zu machen. Wir stehen zufällig vor einem kleinen Kiosk. Der Besitzer stellt mich seiner Frau vor und bietet mir freundlicherweise Wasser an. Ich freue mich über diese Gastfreundschaft. Ich entscheide mich dazu, den Kindern etwas Süßes zu spendieren und kaufe bei dem Kioskbesitzer Schokolade und Karamellbonbons. Ich drehe mich um und muss feststellen, dass sich die Anzahl der Kinder locker verdoppelt hat. Große Augen schauen mich an (oder eher die Schokolade in meinen Händen). Ich schicke meine Begleiter aus der Schusslinie und lass die Anarchie beginnen. In zwei Minuten war alles weg. Was soll ich sagen, Schokolade geht halt immer. Ich schaue in strahlende Gesichter. Eine Hochzeitsprozession bewegt sich gerade durchs Dorf. Musiker und tanzende Hochzeitsgäste bahnen sich ihren Weg um die Verlobte des Bräutigams abzuholen. Dieser ist übrigens einer der Lehrer an der soeben begutachteten Grundschule. Auf jeden Fall ein einmaliger Anblick.

Wir gratulieren und ich bekomme sogar eine Hochzeiteinladung überreicht (ich betone an dieser Stelle: nur ich). Ich freue mich, auch wenn ich leider zur morgigen Feier nicht kommen kann (wie Schade). Am nächsten Tag geht’s nämlich weiter. Nachdem die Prozession weiter gezogen ist verabschieden wir uns und fahren zur außerhalb gelegenen High School. Das Gelände ist riesig und bietet zu meiner Freude moderne Sanitäranlagen. Dies ist insbesondere für die Mädchen der Schule ein wichtiger Punkt um Schutz und Privatsphäre zu bieten. Auch der Rest dieser Schule sieht sehr modern und gepflegt aus. Die Sonne geht unter und wir verabschieden uns, denn wir haben eine lange Heimreise zurück nach Hyderabad vor uns.

Chandigarh – ein kurze Reise per Flugzeug in den Norden

Am nächsten Tag geht’s in aller Hergottsfrühe wieder zum Flughafen. Nach einer schnellen Sicherheitskontrolle schlendern wir durch den Terminal. Ich muss zu dieser Tageszeit erst noch wach werden und hole mir erstmal einen Kaffee. Danach beginnt das Boarding. Nach knapp 2 Flugstunden landen wir in Chandigarh und ich freue mich. Chandigarh ist nämlich bekannt für seine markante Männermode. Männer tragen hier Turban und ich bin der Meinung, dass es unglaublich cool aussieht. Draußen regnet es und wir freuen uns über die angenehmen Temperaturen. Knapp 15 Grad, damit kann ich leben. Sehr gut sogar. Unser Fahrer wartet schon auf uns. Ich hoffe er ist ein cooler Typ. Wir werden in den nächsten zwei Tagen viel Zeit mit ihm verbringen, denn es geht hoch ins indische Himalaya Gebirge. Ich werden mit einem „No“ begrüßt, denn ich wollte mich gerade anschnallen. Sicherheitsgurte gibt es in diesem Auto nicht…na gut, dass wir nicht offroad die Steilhänge hochfahren…

Manali – Roadtrip ins Himalaja Gebirge zum Wasserkraftwerk Malana

Wir starten. Der Roadtrip beginnt, wir sind voller Optimismus. Mit indischem HipHop geht’s on the Road. Eine Stunde später kann man schon das Gebirge sehen. Nach einer Stunde fahren wir bereits an den Klippen mit Blick aufs Tal. In Indien fährt man auf links und dort sitze ich auch, das heißt ich habe einen besonders guten Blick. Den Abgrund hinab. Beim ersten Auto welches uns entgegen kommt denke ich mir, die Straße ist ja schon ganz schön knapp. Eine Abgrenzung gibt es nicht, heißt dass ich nun umso mehr hoffe das unser Fahrer auch ja gewissenhaft fährt. Wir fahren, sagen wir mal ganz schön zügig. Aber gut man gewöhnt sich an alles. Wir fahren durch viele kleine Dörfer und ich bewundere die, am Steilhang, gebauten Häuser. Ein unglaublicher Ausblick. Kühe die sich entspannt an zwischen den Häusern positioniert haben und Affen die an der Straße sitzen. Dichter Wald bedeckt die Täler und Steilhänge, was für ein Kontrast zur Wüste Telanganas. Wir lassen die letzten Dörfer hinter uns, von nun an fahren wir nur noch eine kleine Straße bergauf. Mittlerweile ist es stockduster. Als wir nach 10 Stunden endlich unser Ziel erreichen sind wir verdammt müde und erschöpft. Wir merken die Kälte, mittlerweile fünf Grad. Wir werden im Gästehaus untergebracht und beziehen eine kleine Wohnung. Bevor wir ins Bett fallen, drehe ich noch den Heizstrahler auf.

Morgens geht’s früh raus. Wir sind am Wasserkraftwerk Malana mitten im Gebirge. Ich erkunde vorm Frühstuck erstmal die Gegend und bin begeistert von der Szenerie. Im Dunkeln konnten wir nur erahnen was wir heute hier sehen werden. Ich stehe am Fuße eines Berges, Schnee auf den Wipfeln. Es ist ruhig, fernab von Städten und Straßen. Der Koch bringt uns Frühstück und wir „genießen“ das Digital Detox. WLAN oder gar Handyempfang gibt es hier nicht. Wer sagt, dass diese Generation nicht ohne Handy kann…hatte absolut recht. Naja, hilft ja nichts. Nach dem Frühstück treffen wir auf den Anlagenbetreiber und die verantwortlichen Mitarbeiter für den Betrieb der Anlage und die CSR Aktivitäten des Projektes. Wir bekommen wie üblich eine Sicherheitsbelehrung und Schutzbekleidung. Es geht in das Innere des Kraftwerks. Wir laufen zwischen den beiden Turbinen (mit insgesamt 86 MW installierter Kapazität) in den Kontrollraum und bekommen einen Einblick in die „Komandozentrale“ der Anlage.

Nachdem wir das Innere besichtigt haben, wird uns das Fallrohr für die Wasserzufuhr gezeigt. Dieses verbindet einen Gebirgssee und ein Reservoir auf dem Berg an dessen Fuße ich noch heute Morgen stand. Wenn schon denn schon, wir fahren mit einem Jeep den Berg hoch mit einem Ziel: den Gebirgssee inklusive des Wasserreservoirs. Hier gibt es keine befestigten Straßen mehr, daher ist die Fahrt dementsprechend holprig. Nach einer Stunde sind wir auf dem Berg und sehen…einen ausgetrockneten See. Die Regenzeit beginnt nächsten Monat, daher ist alles trocken und auch die Reservoirs haben einen geringen Wasserstand. Dennoch ist es interessant das Areal zu besichtigen und zu sehen wie der Wasserzufluss funktioniert. Wir fahren auf dem Weg abwärts, an dem Regulationshaus vorbei. Hier geht der unterirdische Tunnel vom Reservoir in das überirdische Fallrohr über, welches zum Wasserkraftwerk Malana führt. An diesem Punkt befindet sich auch ein Notfallriegel, der die Wasserzufuhr unterbrechen könnte. Das kleine Gebäude besitzt eine Aussichtsplattform und eine Kuh kommt den Berg herab. Was für eine Szenerie. Bis dato wusste ich nicht, dass Kühe Berge herabsteigen können. Schon wieder was gelernt. Wir fahren ein weiteres Stück abwärts und besuchen die projekteigene Schule.

Anders als in Telangana, ist hier der Unterricht noch im vollen Gange. Wir betreten den Schulhof und lenken sofort die Aufmerksamkeit auf uns oder besser gesagt auf unsere Kamera. Wie in Indien üblich wird hier in Schuluniform gelernt. Die Kinder sind aufgeschlossen und begrüßen uns. Die Pause ist gerade vorbei und die Kinder finden sich in den Klassen ein. Diese Schule umfasst eine Kita, eine Grundschule und eine High School. Knapp 280 Schüler werden hier aktuell unterrichtet. Wir schauen uns einige Klassenräume an, der Unterricht beginnt gerade. Der Schulleiter, sowie einige Lehrer begrüßen uns und zeigen uns das Schulgelände. Die Schüler kommen aus der umliegenden Region und werden morgens mit den schuleigenen Bussen durch das unwegsame Gelände bis zur Schule gefahren. Die Kinder zeigen im Unterricht ambitioniert ihr Können und kommen mir sehr diszipliniert vor. Die Schule bietet fleißigen Schülern Scholarships an. Diese Scholarships können in der Zukunft der Kids den entscheidenden Unterschied machen und den Grundstein für eine bessere Zukunft bieten.

Wir fahren zurück zum Wasserkraftwerk und verabschieden uns von einigen unserer Mitfahrer. Es geht nun weiter zu einem der zwei „Nature Park“ des Projektes in Manikaran. Einst wurde dieses Gelände als private Müllhalde genutzt. Nach der Säuberung durch den Projektbetreiber wurde dieses Areal zu einem Park umfunktioniert in dem Einheimische sowie Besucher die Ruhe genießen können. Wenige Kilometer weiter befinden sich natürliche heiße Quellen. Das Gebiet ist bei Touristen sehr beliebt und vor allem für seine Tempel und Bäder bekannt. Die natürlichen heißen Quellen sorgen für eine angenehme Bodentemperatur. Funfact: die Quellen sind so heiß das dieses Wasser keimfrei ist und sogar zum Kochen verwendet werden kann (und wird). Mit kleinen Säckchen welche an einer Schnur befestigt sind, wird Essen direkt in die heißen Quellen gehalten und gekocht. Nach einem weiteren Stopp an einem geschmückten Tempel beginnt die Heimreise. Zehn Stunden später erreichen wir um 2 Uhr morgens unser Hotel in Chandigarh. Am nächsten Morgen beginnt meine Abreise und läppische 24 Stunden später betrete ich wieder deutschen Boden.

Hamburg, 06.05.2019
Mandy Trachsel

Autor   
Mandy Trachsel
Produktentwicklerin Erneuerbare Energien & Klimaschutz

Fotograf    
Thien Ditze
(www.instagram.com/thien_ditze)

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