Herkunftsnachweise (HKN) für Strom aus erneuerbaren Energien

Damit alle Stromkunden in Deutschland und Europa auch sicher sein können, dass sie tatsächlich erneuerbare Energien (Ökostrom) erhalten, müssen alle Energieversorgern und Stadtwerke dafür Herkunftsnachweise einsetzen. Herkunftsnachweise belegen, dass eine bestimme Menge an Strom in einer bestimmten Anlage erzeugt wurde. Diese Herkunftsnachweise werden dann für das Stromprodukt des Kunden entwertet und ein lückenloser Nachweis von der Erzeugung, über den Handel bis zum Stromanbieter und Endverbraucher ist gegeben. Die Bundesnetzagentur (zuständig für die Stromkennzeichnung) und das Umweltbundesamt (Betreibt das Herkunftsnachweisregister) sind zusammen dazu da, dass alle Stromkunden eine verlässliche Stromkennzeichnung erhalten.

Wer macht alles in Europa mit?

Europäische Flagge by Justus Blümer (CC BY 2.0)

Herkunftsnachweise für erneuerbare Energien sind in ganz Europa etabliert. Die Europäische Union hat in ihrer EU-Richtlinie 2009/28EG alle Mitgliedstaaten dazu verpflichtet, nationale Register für die Ausstellung, den Transfer und die Entwertung von Herkunftsnachweisen einzuführen. Mit dabei sind auch Norwegen und die Schweiz. Damit alles auf europäischer Ebene reibungslos klappt, gibt es die sogenannte „Association of Issuing Bodies“. Hier sind die jeweiligen nationalen Register Mitglied, wie beispielsweise auch das deutsche Herkunftsnachweisregister beim Umweltbundesamt und kümmern sich um einen europäischen Standard für Herkunftsnachweise, sowie der technischen Abwicklung der Schnittstelle. Denn als elektronische Dokumente können Herkunftsnachweise europaweit gehandelt und eingesetzt werden. Übrigens: im englischen sind Herkunftsnachweise unter ihrer Bezeichnung „Guarantes of Origin“ (GOOs) bekannt.

Herkunftsnachweise sind für Ökostrom verpflichtend

Herkunftsnachweise sind das geeignete Instrument für den Verbraucherschutz. Denn dieser garantiert, dass eine bestimmte Menge an elektrischer Energie ins Stromnetz eingespeist wurde und immer nur einmal verwendet werden kann. Das heißt, der Stromerzeuger kann pro Megawattstunde (MWh = 1.000 Kilowattstunden) immer nur einen einzigen Herkunftsnachweise erhalten. Und dieser kann immer auch nur ein einziges Mal für einen Endkunden(verbraucher) verwendet werden. Somit wird eine Doppelvermarktung bei der Erzeugung und beim Verbrauch ausgeschlossen. Und die Stromkennzeichnung sowie die Stromprodukte der Anbieter werden damit transparenter und glaubwürdiger.

Außerdem ist es für Ökostromprodukte aus erneuerbaren Energie in der Stromkennzeichnung, die nicht unter das EEG fallen, gesetzlich verpflichtend Herkunftsnachweise zu verwenden. Also: keine Herkunftsnachweise – kein Ökostrom!

Wo ist der Unterschied zwischen einem Herkunftsnachweis und einem Ökostromlabel?

Ein Herkunftsnachweis wird für jegliche Arten der Erzeugung von erneuerbaren Energien ausgestellt. Unabhängig wie groß eine Anlage ist, wie alt sie ist, wo sie steht oder was der Betreiber für die Umwelt zusätzlich Gutes tut. Ökostromlabel bilden sozusagen ein Kriterienraster, und stellen die jeweils eigene Auffassung über Ökostrom in den Vordergrund. Eine Übersicht über die zahlreichen Ökostromlabel und die verschiedenen Kriterien können Sie hier einsehen.

In Deutschland ist das Umweltbundesamt verantwortlich

Gemäß Artikel 15 der EU-Richtlinie 2009/28/EG hat auch Deutschland ein elektronisches Herkunftsnachweisregister für Strom aus erneuerbaren Energien einzuführen. Diese Aufgabe ist im nationalem Recht - im sogenannten Erneuerbare-Energien-Gesetz - verankert. Als Betreiber der Registratur ist das Umweltbundesamt in Dessau dafür zuständig und ist seit Anfang 2013 „online“. Dort haben sich zahlreiche Anlagenbetreiber und Energieversorger, sowie Stadtwerke registrieren lassen, damit diese für ihre Stromkunden Ökostrom mit Herkunftsnachweisen anbieten können.

Film: Was ist das Herkunftsnachweisregister?

Herkunftsnachweise für erneuerbare Energien
Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, 01.04.2016

Wie kam man eigentlich auf die Idee mit Herkunftsnachweisen?

Stromsee Herkunft Energie

Die Idee, elektrische Energie und deren „Produktionseigenschaften“ voneinander zu trennen, kam erstmals Mitte der 90er-Jahre in den USA, genauer gesagt, in Kalifornien auf. Auch wenn die Idee zu diesem Zeitpunkt nicht zur Verwirklichung kam, wurde sie Anfang 1997 im Rahmen der Einführung der Stromkennzeichnung in Neuengland, USA wieder aufgegriffen. Marktteilnehmer diskutierten über die Möglichkeit, die Zusammensetzung und die dadurch bedingten Umwelteigenschaften der Stromlieferung durch Energieversorgungsunternehmen nachzuweisen bzw. durch die Lieferanten belegen zu lassen. Die Idee, als Grundlage der Stromkennzeichnung diese durch die Strombezugsverträge von der Erzeugung bis zur Lieferung an den Endkunden zu verfolgen und abzubilden, erwies sich als zu komplex und aufwändig. Da Strom mehrfach gehandelt wird und dies auch über Spotmärkte erfolgt, wurde von Marktteilnehmern vorgeschlagen, die Eigenschaft der Erzeugung von der physikalischen Lieferung zu trennen und somit ein einfach zu handhabendes Nachweissystem zu ermöglichen. Im Jahr 1998 wurden die Strommärkte in Kalifornien, Massachusetts und Rhode Island liberalisiert und die Automated Power Exchange (APX) eröffnete einen getrennten Markt für erneuerbare Energien. Im Mai 1999 begann die APX dann so genannte Green Tickets zu handeln, da man deren höhere Flexibilität und Liquidität für den Markt erkannte. Und im Juni 1999 wurde im amerikanischen Bundesstaat Texas ein Gesetz über die Restrukturierung des Energiewesens verabschiedet, welches das erste „Credit-Trading“-Programm der USA zur Folge hatte. Inzwischen haben zahlreiche Bundesstaaten in den USA Herkunftsnachweissysteme eingeführt und in 2014 wurden alleine über 35 Millionen Kilowattstunden in Herkunftsnachweisen gehandelt.

Die Entwicklung eines Systems für handelbare Zertifikate war aber nicht allein auf die USA begrenzt. Die Idee eines Renewable Energy Certificate System entwickelte sich in den Niederlanden basierend auf den Erfahrungen mit einem Zertifikatehandelssystem, um die freiwilligen Ziele des Anteils an erneuerbaren Energien zu erreichen. Im Jahr 1997 entwickelte EnergieNed, die niederländische Vereinigung der Energieversorgungsunternehmen, dazu ein Programm. Dieses beinhaltete ein elektronisches Nachverfolgungssystem und war von 1998 bis 2001 im Einsatz. Ende 1998 wurde in den Niederlanden das Renewable Energy Certificate System vorgeschlagen und zusammen mit Vertretern staatlicher Einrichtungen entwickelt. Allerdings war das System kein staatliches System. Die Planungsphase erfolgte in den Jahren 1999 und 2000, die ersten Zertifikate wurden im Jahr 2001 ausgestellt. Im gleichen Jahr wurden Herkunftsnachweise auf europäischer Ebene in der Richtlinie 2001/77/EG des Europäischen Parlamentes und des Rates vom 27.08.2001 zur Förderung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen im Elektrizitätsbinnenmarkt aufgenommen. Mit der Gründung des EECS-Systems Anfang 2000 wurde ein zusätzliches Kapitel bezüglich der Herkunftsnachweise eröffnet.

European Energy Certificate System (EECS) Logo © AIB
European Energy Certificate System (EECS) Logo © AIB

Im Laufe der Jahre wurde das European Energy Certificate System (EECS) weiterentwickelt. Die europaweit abgestimmten Regeln erlauben es nun, für Strom aus unterschiedlichsten Quellen Herkunftsnachweise auszustellen. Diese Herkunftsnachweise konnten ohne Probleme länderübergreifend gehandelt werden. Auch startete der internationale Handel mit RECS-Zertifikaten und die Association of Issuing Bodies (AIB) wurde gegründet, die als regelgebende und Technische Schnittstelle europaweit auch heute noch fungiert. Mit Einführung der bereits erwähnten EU-Richtlinie 2009/28EG im Jahre 2009 wurde das ehemals überwiegend freiwillige und europaweite System nun auf eine gesetzlich verpflichtende Ebene gestellt.

Weltweite Entwicklung geht weiter

Die weltweite Entwicklung für ein länderübergreifendes System schreitet voran. So wie Unternehmen in mehreren Ländern vertreten sein können, so kann auch in diesen Ländern der Wunsch bestehen, „seinen“ Strom aus erneuerbaren Energien als Ökostrom zu erhalten. Damit auch Länder außerhalb Europas und den USA von den Vorteilen eines solchen System profitieren können, wurde das I-REC System ins Leben gerufen. Eine konsequente Weiterentwicklung ehemals nationaler Ideen und Programme, über die europäische und amerikanische Anwendung hinaus. Jetzt können auch Anlagenbetreiber außerhalb der Europäischen Union ihre Anlagen registrieren lassen und Unternehmen die ihre Niederlassungen und Unternehmen in anderen Ländern haben, können Ökostrom beziehen und dieses transparent und glaubwürdig nachweisen.

Wie es sich zeigt, setzt sich die Idee für Herkunftsnachweise für Ökostrom seit Jahren unaufhaltsam durch und ist in vielen Ländern gesetzlich verankert, damit alle Stromkunden sicher sein können, dass „ihre“ Stromqualität auch tatsächlich produziert wurde und nur einmal genutzt wird.

Mehr Hintergründe und Anwendungsmöglichkeiten von Herkunftsnachweisen finden Sie in unserem Kundenbereich

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