Portfoliomanagement Gas
Profitieren Sie von den Möglichkeiten des liberalisierten Marktes
Der Gasmarkt befindet sich in einer Phase des Umbruchs. Für Stadtwerke und Großverbraucher eröffnen sich immer weiter reichende Möglichkeiten, die Gasbeschaffung zu diversifizieren. Alte und neue Gaswelt existieren im Markt immer noch nebeneinander. Auf der einen Seite steht dabei die Vollversorgung mit ölpreisgebundenen Verträgen, auf der anderen Seite die Möglichkeit einer strukturierten Bewirtschaftung, ähnlich der am Strommarkt. Insbesondere im Rahmen der strukturierten Bewirtschaftung entstehen am Markt neue, innovative Möglichkeiten und Produkte, die es zu prüfen und in die Bewirtschaftung zu integrieren gilt.
Ölpreisbindung – Quo vadis?
Ein fast ausschließlich deutsches Phänomen ist die direkte Bindung des Gaspreises an den Ölpreis über Preisgleitklauseln. Diese direkte Indexierung ist historisch gewachsen und diente primär dazu, die kostenintensive Exploration und Förderung von Gas preislich abzusichern.

Ein Blick auf die nebenstehende Grafik zeigt, dass sich Öl- und Gaspreisentwicklung an den Terminmärkten seit der Finanzkrise häufig entkoppelt haben. Durch die Elastizität der Nachfrage und die Substituierbarkeit beider Rohstoffe findet sich eine Kopplung im fundamentalen Kontext. Speziell im Bereich der Stromerzeugung lässt sich relativ schnell ein Wechsel zwischen Gas und Öl vollziehen, Substituierungsprozesse ergeben sich ebenfalls in der Antriebstechnik, der chemischen Industrie und bei der Gebäudewärme. Diese Mechanismen werden aber häufig überlagert durch öl- und gasspezifische Faktoren. Öl spielt in den Portfolien großer Fonds eine wichtige Rolle im Vergleich zu Währungen, Staatsanleihen und anderen Investitionsformen. Das Angebot/ Nachfrage-Verhältnis von Gas hat sich insbesondere durch neue Produktionsformen und den sukzessiven Rückgang des Bedarfs auf Wärmeseite (regenerative Wärmequellen und effizientere Gebäudedämmung) deutlich verbessert während sich im Ölmarkt durch Effekte wie die Katastrophe im Golf von Mexiko die Lage eher verschlechtert hat.
Mit der Schaffung eines börslichen und außerbörslichen Marktplatzes für Gas und dem Auftreten neuer Marktteilnehmer wird der Handel mit Standardprodukten in zunehmendem Maße attraktiv. Der Ausbau der LNG-Kapazitäten sorgt für eine zunehmende Internationalisierung des Marktes und erhöht die Unabhängigkeit von einzelnen Importeuren. Die direkte Ölpreisbindung verliert so in Deutschland langsam an Einfluss. Allerdings werden Ölpreisgebundene Lieferungen auch zukünftig zur Portfoliodiversifizierung und im Risikomanagement bei der Gasbeschaffung eine wichtige Rolle spielen.
Portfoliostrukturierung – aber wie?
Bei der Bewirtschaftung von Gasportfolien ergeben sich durch die Liberalisierung Freiheitsgrade hinsichtlich der Produktstruktur und den Lieferanten. Angefangen, von dem in der Zeit vor der Liberalisierung weit verbreiteten ölindizierten Liefervertrag, bis hin zu einer komplett strukturierten Bewirtschaftung, ähnlich der im Strommarkt, bietet sich dem Stadtwerke ein breites Produktportfolio. Durch die Heterogenität der am Markt gehandelten Produkte lassen sich Risiken bei der Bewirtschaftung breit streuen. Vorraussetzung ist allerdings die Preiskorrelationen der angebotenen Produkte zu kennen und bei der Bewirtschaftung gewinnbringend zu nutzen. So können Preis- und Mengenrisiken minimiert werden.
Dabei wird die Bedarfsstruktur analysiert und nach Prognostizierbarkeit, Preisabhängigkeit und individueller Struktur gruppiert, je nach Art des Portfolios. So steht im Vertriebsbereich z.B. die Wechselbereitschaft und die Tarifzugehörigkeit der Kunden im Vordergrund, im produzierenden Gewerbe prognostizierbare oder stochastische Abnehmer und im Kraftwerksbereich der Einfluss der Wärmekopplung oder die Substituierbarkeit verschiedener Brennstoffe.
Die Portfoliostruktur wird analysiert und überwacht. Im Gasportfolio spielen dabei die Bedarfsentwicklung, die zeitliche Verteilung (Monatsmengen) und vor allem die zu erwartende Bedarfsschwankung (Flexibilität!) die Hauptrolle.
Ausgehend von Bedarfs- und Portfoliostruktur setzen wir eine Portfoliooptimierung auf. Wesentliche Erfolgsfaktoren für das erfolgreiche Management Ihres Gasportfolios sind Transparenz und Timing.
Transparenz: Saubere Schnittstellen und ein schneller Informationsfluss bilden die Voraussetzung für ein aktives Management Ihres Portfolios. So können auf Sie zugeschnittene Strategien direkt umgesetzt und sich ändernde Markt- oder Bedarfsentwicklungen umgehend berücksichtigt werden.
Timing: Ist die Datenlage klar, kann entlang des Beschaffungshorizontes auf den zur Verfügung stehenden Märkten das Portfolio optimiert werden. Das heißt unter Einbeziehung von technischen Indikatoren und fundamentalen Einflussfaktoren wird bei definiertem Risiko der maximale Portfoliovorteil erarbeitet.
Gibt es die optimale Bewirtschaftungsstrategie?
Es gibt kein Patentrezept im Portfoliomanagement, welches à la „Copy & Paste“ auf jedes Portfolio angewendet werden kann. Faktoren, welche bei der Entwicklung und Implementierung einer Bewirtschaftungsstrategie im Vordergrund stehen, sind unter anderem die Kundenstruktur, das Verbrauchsverhalten, die unternehmerische Risikobereitschaft und die personellen Ressourcen. Erst die Kombination der Chancen am Markt mit den individuellen Faktoren erlaubt die Entwicklung einer für das jeweilige Unternehmen optimalen Bewirtschaftungsstrategie mit der notwendigen Prozesssicherheit.
Wie in der Darstellung zu erkennen, ist eine Bewirtschaftungsstrategie nicht für alle Zeiten gültig. Zum einen können Veränderungen der individuellen Faktoren oder der Marktgegebenheiten eine Anpassung der Bewirtschaftungsstrategie erforderlich machen. Zum anderen sollte ein Unternehmen mit wachsendem Erfahrungsschatz im Portfoliomanagement die jeweilige Bewirtschaftungsstrategie verfeinern. Es gibt somit nicht generell DIE optimale Bewirtschaftungsstrategie, aber es gibt für jedes Unternehmen eine optimale Bewirtschaftungsstrategie, welche die individuellen Rahmenbedingungen berücksichtigt.
Welche Instrumente stehen zur Porfoliooptimierung zur Verfügung?
o Langfristprodukte
Die Einbindung von langfristigen Standardprodukten in das Portfolio hat eine stabilisierende Wirkung auf den Portfoliopreis über mehrere Jahre. Je nach Struktur des Portfolios sollte dabei nur eine Teilmenge langfristig kontrahiert werden. Am OTC Markt werden Standardprodukte mit mehreren Jahren Laufzeit angeboten. Wie oben beschrieben spielen auch die Ölpreisbindung und mit steigender Bedeutung die Gashandelsplätze eine wichtige Rolle, so dass auch Produkte mit einer Preisbindung an entsprechenden Indizes (z.B. Gasoil, NCG, TTF) bei der Portfoliooptimierung berücksichtigt werden sollten. Eine durchgängige technische und fundamentale Analyse der relevanten Märkte wird zur Bestimmung geeigneter Absicherungszeitpunkte durchgeführt.
o Kurzfristoptimierung
Basieren im lang- bis mittelfristigen Optimierungsbereich (zeitlicher Abstand zur Lieferung von einem bis über zehn Jahren) die erwarteten Bedarfs- und Preisentwicklungen auf Annahmen, so ist die Datenlage im kurzfristigen Bereich (ab einem Jahr bis zum Tag der Lieferung) wesentlich stabiler. Deshalb spielt auch hier die Struktur eine wesentlich höhere Rolle, im Gasmarkt ist besonders die Optimierung auf Monatsebene hervorzuheben.
Ein weiterer Bestandteil der Kurzfristoptimierung ist die Gewichtung der Portfolioanteile, die schon vorläufig am Terminmarkt abgesichert werden, und derer, die am Spotmarkt kurzfristig gehandelt werden. Im Terminmarkt ist die „Risikoprämie“ immer ein Preisbestandteil. Im Day-Ahead-Spotmarkt kann auf Basis der vorliegenden Wetter- oder Produktionsprognosen und der zu erwartenden Preisentwicklung eine genaue Portfoliojustierung durchgeführt werden. Eine komplette Abwicklung der kontrahierten Mengen am Spotmarkt kommt aber aus Risikogesichtspunkten und der fehlenden Planbarkeit des Portfoliowertes nicht in Frage.
o (Virtuelle) Speicherbeteiligungen / Flexibilität
Die Gasprognose schwankt im Heizkundensegment mit starker Abhängigkeit von den Wetterbedingungen, was zu starken Bedarfsschwankungen führt. Kurzfristige Wetterwechsel finden häufig statt und lassen sich für die langfristigen Bedarfsplanung nicht ausreichend genau prognostizieren. Da eine starke Wechselwirkung zu den Gaspreisen besteht empfiehlt es sich, Formen flexibler Lieferverträge gegenüber den Alternativen zu prüfen und entsprechend der individuellen Portfoliobeschaffenheit zu integrieren. Auch der Bedarf im produzierenden Gewerbe ist zum Teil stochastisch und damit schwer zu prognostizieren, Auslastungen unterliegen konjunkturellen Schwankungen. Flexible Lieferverträge können auch hier eine Option sein. Entscheidend ist, entstehende Kosten zu prüfen und die Freiheitsgrade Ihres Portfolios nicht zu sehr zu beschränken.
o Finanzinstrumente
Finanzinstrumente, insbesondere Optionen auf Forwards gelten oftmals noch als hoch riskantes Spekulationsinstrument. Ohne Frage können Optionen zur Spekulation genutzt werden. Bei der Energieportfolio-Bewirtschaftung sollte der originäre Zweck einer Option allerdings das Hedgen, d.h. das Absichern eines Geschäfts sein.
Die Bischoff & Ditze Energy GmbH bietet Ihnen diese und weitere Instrumente sowie individuelle Lösungen um Ihre Energiebeschaffung zu optimieren. Unsere Mitarbeiter verfügen über mehrjährige Handelserfahrung an den europäischen Energiemärkten und vielfältige Kontakte zu anderen Marktteilnehmern.
Wir legen dabei Wert darauf, nicht nur als Berater aufzutreten, der theoretisches Wissen vermittelt. Vielmehr sind wir in sämtlichen beschriebenen Bereichen operativ tätig und verfügen somit über praktische Erfahrung, die wir Ihnen gerne zur Verfügung stellen. Nutzen Sie zusammen mit uns die Möglichkeiten des Energiemarktes, verbessern Sie Ihre Chancen und minimieren Sie Ihre Risiken.
